Hund wird dominant und kläfft

Mangelnder Gehorsam ❯ In Gegenwart anderer Hunde
IngLei schrieb am 22.07.2020
Mein Hund Tizian (3 Jahre alt, aus Spanien, war dort in einer Tötungsstation) kam über die Hunde-Nothilfe vor 3 Monaten zu mir. Mit Hilfe vom Hundetrainer hat er "Sitz" und "Bleib" gelernt. Nun zeigt er mir übelst seine dominante Seite und rastet an der Leine aus, wenn er andere angeleinte Hunde sieht (Großstadt mitte).

Oft lässt er sich nicht mal durch seine Lieblingsleckerli beruhigen. Vorgestern hat er abends das erste Mal nach mir geschnappt und meinen Mann angeknurrt. Ich bin inzwischen total verunsichert - wie reagiere ich richtig? Bzw. was mache ich falsch? Sobald wir die Mietwohnung verlassen kläfft er im Treppenhaus. Hab ich ihn bereits verzogen ?
6 Antworten
Ellen Mayer | Hundetrainer/in
schrieb am 23.07.2020
Hallo,
dass Sie mit Leckerchen locken oder versuchen zu beruhigen, zeigt, dass Sie den Hund nicht führen. Das wiederum ist sehr wahrscheinlich der Grund, warum er knurrt und sogar schnappt und das erklärt auch sein Verhalten an der Leine.
Fangen wir mit dem Verhalten zuhause an. Von Natur aus dominante Hunde gibt es eher selten. Meistens werden sie dazu gemacht. Z. B. indem man sich von ihnen trainieren lässt. Kommt Ihr Hund oft zu Ihnen und fordert erfolgreich z. B. Streicheleinheiten, Leckerchen, spielen etc.? Das sollten Sie ignorieren.
Springt der Hund von sich aus auf Bett oder Sofa, wird er sanft weggedrückt. Er darf dort nur hin, wenn Sie es erlauben.
SIE agieren, der Hund reagiert, NIE umgekehrt. Dann sind Sie der "Boss". Wenn es umgekehrt ist, wie jetzt, ist es der Hund.
Möglicherweise zieht Ihr Hund auch an der Leine? Das würde das Verhalten gegenüber anderen Hunde erklären.
Hunde ziehen an der Leine, weil sie es so gelernt haben. Oder, besser gesagt, nicht anders gelernt haben. Wenn Herrchen/Frauchen dem Hund mit ausgestrecktem Arm überallhin folgt, wird der Hund natürlich auch weiter immer dahin gehen, wo er hin will. Er kann es ja, manchmal mit einem Gewicht am anderen Ende der Leine, aber es geht. Hunde lernen durch Erfolg oder auch Misserfolg.
Deswegen hier mein Tipp: NIE dem Hund folgen, wenn er zieht, auch nicht, wenn er wo schnuppern, sich lösen oder zu Bekannten will. Wenn er einmal Erfolg hatte, müssen Sie wieder von vorne mit dem Training anfangen. Bleiben Sie stehen, bis die Leine wieder locker ist (das braucht etwas Geduld) oder, wenn Ihr Hund richtig feste zieht, drehen Sie um und gehen zurück.
Am besten reagieren Sie schon, wenn er versucht, Sie zu überholen. SOFORT umdrehen und zurückgehen und zwar jedesmal.
Oft liegt das Ziehen auch an der Art, wie die Leine gehalten wird. Meistens wird die Leine zu kurz gehalten, mit Zug. Zug erzeugt Gegenzug, der Mensch zieht weil der Hund zieht und der Hund zieht immer mehr dagegen. Der Hund kann diesen Kreislauf nicht lösen, das kann nur der Mensch.
Meistens kann ein Hund sich auch nicht konzentrieren. Man kommt aus der Haustür und schon soll der Hund, ohne sich ausgepowert oder gelöst zu haben, locker an der Leine gehen. Die Leinenführigkeit sollte immer nur zwischendurch geübt werden, zuerst darf der Hund laufen und schnuppern, dann wieder 10 Minuten üben u.s.w.. Erst, wenn das immer besser funktioniert, wird es irgendwann gefestigt sein und der Hund läuft immer und überall an lockerer Leine. Üben, egal was, sollte man nie im Ernstfall sondern immer entspannt und gezielt.
Wenn Sie an anderen Hunden vorbeigehen, versuchen Sie Ruhe auszustrahlen d. h. nicht reden, nicht schimpfen und nicht die Leine krampfhaft kürzer halten. Das alles veranlasst Ihren Hund nämlich, sich noch mehr aufzuregen.
Üben Sie aber vor allem die Leinenführigkeit!

Viel Erfolg..
Ellen Mayer
www.lesloups.de
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IngLei | Fragesteller/in
schrieb am 23.07.2020
Hallo Frau Mayer,
Ich und mein Mann danken für die ausführliche und sehr hilfreiche vor allem superschnelle Antwort / Hilfe. Unser Hundetrainer kann erst Anfang September wieder kommen. Wir üben täglich viel.
Tizian’s Problem ist in den ersten 3 Lebensjahren in Spanien entstanden und die Familie wo er zwischenzeitlich war (mit 8jährigen Kind) hat den Zustand noch verschlimmert. Der Kleine war total nervös und verunsichert. Noch dazu fehlt ihm ja seit Geburt die Linke Vorderpfote.
Seit 3 Monaten ist er bei uns und schon viel ruhiger > aber halt nur daheim.
In unserer Wohnung haben wir das Problem, dass wir die Türklingel abstellen müssen, sonst geht Tizian ab wie eine Rakete und kreischt panisch (kläfft unheimlich ohrenbetäubend)
Haben sie hier Evtl auch einen Tipp?
Auf tel Anraten unseres Trainers habe ich gestern eine hundebox gekauft aus Aluminium, die Tizian auch gut akzeptiert.

Vielen Dank und ihnen eine gute Zeit. Bleiben sie gesund.
Es grüßen
Inge & Günter Leitzmann
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Ellen Mayer | Hundetrainer/in
schrieb am 23.07.2020
Hallo Inge & Günter Leitzmann,
wenn Hunde beim Klingeln bellen, liegt das daran, weil dann was passiert. Es kommt Besuch, es herrscht Aufregung. Deswegen sollte man das immer mit eingeweihten Leuten so oft wie möglich trainieren.
Üben Sie zuerst mit Tizian, auf Kommando an einen festen Platz zu gehen und dort zu bleiben, bis Sie das Kommando wieder auflösen. Bleiben Sie dabei am Anfang neben dem Korb oder der Decke stehen. Wenn Ihr Hund den Platz verlassen will, bringen Sie ihn kommentarlos wieder hin. Wenn er dort bleibt, geben Sie ihm ein Leckerchen. Dann entfernen Sie sich immer weiter von dem Platz, gehen zurück und geben ein Leckerchen.
Wenn das funktioniert, bitten Sie jemanden, zu klingeln und zu klopfen. Zuerst nur einmal kurz. Wichtig: Sie reagieren nicht darauf, schicken Tizian, wie zuvor geübt, an seinen Platz. Evtl. benötigen Sie etwas Geduld. Geben Sie aber nicht auf, lassen den Hund an seinem Platz und reagieren nicht auf das Klingeln. Wenn das bei einem Klingeln funktioniert, kann man das Geräusch steigern und wenn das dann klappt, den Besuch rein bitten. Sobald der Hund wieder bellt, gehen Sie einen Schritt zurück, bis dorthin, wo es noch funktioniert hat.

Viel Erfolg..
Ellen Mayer
www.lesloups.de
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Ellen Mayer | Hundetrainer/in
schrieb am 23.07.2020
Ach so: Bei aufgeregten Hunden sollte man am besten nie reden. Auch kein AUS, NEIN, oder Ähnliches. Das regt solche Hunde nur noch mehr auf. Deswegen weiter oben auch das "Kommentarlos" ?
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IngLei | Fragesteller/in
schrieb am 23.07.2020
Hallo Frau Mayer,
Herzlichen Dank .
Tizian wird panisch wenn es läutet und lässt sich nicht mal durch Ignoranz beruhigen. Wir werden ihren Tipp befolgen und das alles üben bis ans Lebensende .....
Gestern hab ich eine hundebox gekauft und das hilft. Heute hat er “nur” gebellt als er drin saß mit Türe zu! Er nimmt die Box gut an ☺️
Ich würde mich wieder melden und sie dann auf dem Laufenden halten .
Ihnen eine schöne Zeit.

Günter & Inge Leitzmann
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IngLei | Fragesteller/in
schrieb am 23.07.2020
Hallo Frau Mayer,
Herzlichen Dank .
Tizian wird panisch wenn es läutet und lässt sich nicht mal durch Ignoranz beruhigen. Wir werden ihren Tipp befolgen und das alles üben bis ans Lebensende .....
Gestern hab ich eine hundebox gekauft und das hilft. Heute hat er “nur” gebellt als er drin saß mit Türe zu! Er nimmt die Box gut an ☺️
Ich würde mich wieder melden und sie dann auf dem Laufenden halten .
Ihnen eine schöne Zeit.

Günter & Inge Leitzmann
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