Angsthund

Angst ❯ Vor Hunden
Majong24 schrieb am 04.05.2017
Unser 11 Monate alter Rüde Dachi hat extreme Angst vor fremden Hunden. Je grösser der fremde Hund, desto mehr Angst. Grund dafür ist vermutlich, dass er als Welpe (12 Wochen) mal von einem grossen Hund einen schmerzhaften Pfotenhieb abbekommen hat und ich ihn nicht beschützen konnte, da der Hund aus dem Nichts angerannt kam und so gross war wie ich. Ich habe mit Panik reagiert, Dachi hochgenommen, während der Hund an mir hochgesprungen ist, und nach Dachi geschnappt hat...

Dachi bellt sich bei fremden Hunden in Rage und rennt zu dem Hund hin. Sobald dieser jedoch zurückbellt, knurrt, oder nur schnüffeln will, rennt Dachi mit eingeklemmten Schwanz schreiend davon. Er rennt nicht zu mir, sondern weg, Richtung "zu Hause".
Wenn ich ihn mit kurzer Leine "zwinge" da zu bleiben oder ihn "gewaltsam" festhalte beruhigt er sich bei kleineren Hunden nach etwa 5-10min, schnüffelt selber und fordert teilweise sogar zum spielen auf. Bei größeren Hunden beruhigt er sich erst nach über 15min, und hält danach mindestens 3m Abstand. Geschüffelt hat er an einem grossen Hund noch nie.

Wir hatten eine Hundetrainerin, die uns empfahl Hunde nur in der für Dachi noch akzeptablen Entfernung zu passieren und mit ganz viel Leckerli zu loben, wenn er nicht bellt. Wenn er bellt, ignorieren und erst wenn er wieder ruhig ist leckerli. Wenn er sich gar nicht berughigt, sollten wir die Entfernung vergrössern. So sind wir inzwischen von etwa 250m auf 30-50m (je nach grösse des fremden Hundes) gekommen. Nur kann man leider nicht jedes mal die Straßenseite wechseln, wenn ein anderer Hund kommt, und oft rennen nicht angeleinte Hunde zu uns hin.
Seit 2 Monaten sind wir nun bei den 30-50m und schaffen es nicht, diese Entfernung zu verringern.

Er ist auch insgesamt ein sehr ängstlicher Hund. Früher hat er auch Menschen, Fahrzeuge und sogar unbewegte Gegenstände wie Bälle, Tüten, etc. angebellt. Dies kommt jedoch inzwischen immer seltener vor. Wir haben auch versucht ihn mit Fernseher und CD an für ihn angsteinflössende Dinge zu gewöhnen, aber darauf reagiert er überhaupt nicht. Dazu kommt, dass er recht "hyperaktiv" ist und auch einen stark ausgeprägten Jagdtrieb hat. Er steht also dauerhaft unter Strom, vor allem bei ihm unbekannten Strecken.

Ich habe auch einen zweiten Hund, einen Chihuahua. Wenn ich mit diesem allein Gassi gehe sind andere Hunde kein Problem. Er ist zwar sehr reserviert, was fremde Hunde angeht aber bellt nicht sondern geht hinter mir in Deckung oder ignoriert den Hund. Wenn ich allerdings mit beiden zusammen Gassi gehen bellen sich beide in Rage und lassen sich beide durch gar nichts beruhigen.

Ich weiss nicht, wie ich ihn dazu bringen kann mir zu vertrauen. Wenn ich Dachi dazu zwinge, da zu bleiben und den fremden Hund zu konfrontieren beruhigt er sich zwar irgendwann, allerdings habe ich Angst, dass dadurch sein Vertrauen in mich noch weiter gestört wird. Und nicht jeder Hundebesitzer ist so freundlich 15min zu warten, bis sich mein Hund beruhigt hat.
Auch kann ich nicht auf ewig immer nur getrennt mit beiden Gassi gehen.

Die Fragen lautet also:
1. Wie kann ich das Vertrauen meines Hundes in mich stärken?
2. Ist es besser den Weg der Hundetrainerin zu gehen und immer auf Entfernung zu bleiben, oder ist es besser bewusst Dachi mit anderen Hunden zu konfrontieren, so wie ich es zurzeit mache?
3. Gibt es noch andere Möglichkeiten, wie man einem Hund Angst vor anderen Hunden nehmen kann?
4. Wie trainiere ich gemeinsames Gassigehen?

Ich bin für jeden Tipp dankbar
1 Antwort
Liebe/r Majong24,
Sie haben einen sehr kleinen Hund, der leider eine tiefgreifende, negative und für in seinen Augen lebensbedrohliche Erfahrung gemacht hat. Die Methode Ihrer Trainerin ist genau richtig. Sie haben bereits beachtliche Erfolge erzielt, dass sollten Sie sich immer vor Augen halten.
Allerdings sollte man, während man so trainiert den Hund nicht wieder in eine, aus seiner Sicht, gefährliche Situation bringen. Wenn Sie ihn zwingen, sich seiner Angst zu stellen, wird es nicht besser. Stellen Sie sich vor, Sie haben panische Angst vor Spinnen und nun zwingt Sie jemand, eine Vogelspinne auf die Hand zu nehmen. Das wird Ihre Angst nicht verkleinern. Wenn Sie aber die Möglichkeit bekommen, in Ihrem Abstand und mit der Zeit, die Sie brauchen, "Kontakt" mit der Spinne aufzunehmen, werden Sie irgendwann in der Lage sein, sie als nicht mehr ganz so gruselig zu empfinden. Wahrscheinlich werden Sie die Spinne nie anfassen, aber das ist in Ordnung.
Genauso in Ordnung ist es, wenn Dachi sagt, er mag keinen Kontakt zu anderen Hunden und braucht seine Individualdistanz.
Das Vertrauen verstärken Sie, indem Sie tolle Sachen mit Ihrem Hund unternehmen und ihn in für ihn neuen Situationen unterstützen. Das können unbekannte Untergründe sein, über die er läuft, Suchspiele, Problemlösungen mit Intelligenzspielzeug. Auch gemeinsame Hobbys führen dazu, dass die Bindung und das Vertrauen tiefer wird. Vielleicht gibt es in Ihrer Hundeschule eine Gruppe speziell für kleine Hunde, in der Tricks erarbeitet werden. Oder Sie finden eine andere Art der Beschäftigung. idealerweise in einer Hundeschule, so können Sie in einer Gruppe trainieren und Ihr Hund lernt mit der Zeit, dass es gar nicht schlimm ist, wenn andere Hunde in der Nähe sind.
Wenn Sie mit beiden Hunden trainieren, wählen Sie den gleichen Weg. Halten Sie Abstand, kehren Sie um, weichen Sie aus. Belohnen Sie ruhiges Verhalten.
Manche Hundeschulen bieten Begegnungstrainings an, in denen Hund und Halter lernen, wie sie mit bestimmten Situationen umgehen und eine akzeptable Lösung finden. Googeln Sie nach BAT und SAVE Training.
Sie sind auf einem guten Weg, wenn es gerade stagniert, dann haben Sie Geduld und machen weiter.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
Viele Grüße
Claudia Rieker
www.hs-schnueffelnase.de
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