Wie der Mensch brauchen auch Hunde und Katzen regelmäßige Impfungen, die sie vor lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten schützen oder dafür sorgen, dass sie deutlich kürzer und milder verlaufen. Die steigende Lebenserwartung unserer Haustiere ist ein klarer Erfolg konsequenter Impfungen. Darum ist die empfohlene regelmäßige Immunisierung auch für Ihr Tier so wichtig. Sie minimiert die Ansteckungsgefahr durch gefährliche Erreger. Doch woraus besteht eigentlich ein Impfstoff für Hunde und Katzen und wie funktioniert er?


Inhaltsverzeichnis:


Wie funktioniert die körpereigene Abwehr?

Der Körper besitzt eine eigene Abwehr zur Bekämpfung von fremden Erregern wie Viren, Bakterien oder Parasiten: das Immunsystem. Dieses reagiert bei Kontakt mit einem Erreger mit einer so genannten Immunantwort. Es bildet beispielsweise verschiedene Stoffe oder trainiert bestimmte Zellen, die den Angreifer außer Gefecht setzen.
Ein Bestandteil der Erreger sind Eiweiße, die so genannten Antigene, die meistens auf dessen Oberfläche sitzen. Durch sie erkennt der Körper den Erreger als fremd.
Es gibt zwei verschiedene Wege, mit denen das Immunsystem auf einen Erreger oder auch auf einen Impfstoff für Hunde und Katzen reagiert: die humorale und die zelluläre Immunantwort. Bei der zellulären Immunantwort bekämpfen Zellen, wie das Wort schon sagt, den Erreger direkt. Bei der humoralen Immunantwort (humoral bedeutet in etwa „die Körperflüssigkeiten betreffend“)  produziert das Immunsystem besondere Eiweiße, die Antikörper, die in Körperflüssigkeiten wie das Blut abgegeben und damit an ihren Wirkort transportiert werden. Die Antikörper sind sozusagen maßgeschneidert für einen bestimmten Krankheitserreger, an den sie binden und ihn so markieren. Dadurch erkennen andere Abwehrzellen den Erreger und machen ihn unschädlich.
Jungtiere erhalten über die Muttermilch Antikörper der Mutter, die jedoch nach einiger Zeit nachlassen.

Wie funktioniert ein Impfstoff für Hunde und Katzen?

Mit einer Impfung möchte man das Immunsystem auf den natürlichen Erreger vorbereiten. Der Impfstoff für Hunde und Katzen enthält Antigene und täuscht dem Immunsystem so eine Infektion vor. Daraufhin werden Antikörper gebildet. Das Immunsystem merkt sich Informationen über den Erreger. Trifft es nun erneut auf den schon bekannten Erreger, ist der lange Aktivierungsweg der Immunreaktion nicht mehr nötig. Somit ist die folgende  Immunreaktion viel schneller und effektiver.
Im Gegensatz dazu werden bei einer passiven Immunisierung direkt Antikörper verabreicht, d.h. der Körper muss sie nicht mehr selber bilden. Dies spielt meistens eine Rolle, wenn der Körper dem Erreger schon ausgesetzt wurde. In diesem Fall bleibt nicht ausreichend Zeit für das Immunsystem, auf den Erreger zu reagieren. Dies kann z.B. bei einer Infektion mit Tetanus von Nöten sein, da sie gefährliche Muskelkrämpfe hervorruft und einen schnellen Verlauf hat. Um diesen aufzuhalten, kann man bei einer Infektion Antikörper gegen das Tetanus Gift spritzen.

Woraus besteht ein Impfstoff für Hunde und Katzen?

Die Strukturen, mit denen ein Impfstoff das Immunsystem trainieren sollen, können ganz unterschiedlich aussehen. Manche Impfstoffe für Hunde und Katzen enthalten beispielsweise komplette, aber abgetötete Erreger. Man spricht dann auch von Totimpfstoffen oder Inaktivatimpfstoffen. In diesen Impfstoffen ist außerdem ein Adjuvans enthalten. Adjuvantien sind chemische Hilfsstoffe, die an der Einstichstelle einen kleinen Reiz setzen sollen, um Immunzellen anzulocken und die Abwehrreaktion so zu verstärken. Oft ist der Impfstoff erst dadurch wirksam. In manchen Impfstoffen für Hunde und Katzen werden Aluminiumsalze als Adjuvantien verwendet. Über deren Schädlichkeit brauchen Sie sich keine Gedanken machen, weil es sich hierbei um sehr geringe Mengen handelt.
Da der Erreger komplett abgetötet ist, reagiert das Immunsystem nur eingeschränkt und der entstehende Schutz ist nicht so stark, wie beispielsweise bei einem Lebendimpfstoff. Ähnliche Nachteile haben sogenannte Subjunitvakzinen, das sind Impfstoffe die nur Teile eines Erregers enthalten. Dafür fallen aber auch die Nebenwirkungen weitaus geringer aus, weshalb die meisten Impfstoffe für Hunde und Katzen heutzutage Totimpfstoffe sind.

Im Lebendimpfstoff ist ein vermehrungsfähiger, also lebensfähiger Erreger, enthalten, dessen krankmachende Eigenschaften weggezüchtet wurden. Dadurch verläuft die Reaktion des Körpers auf die Impfung ohne Krankheitssymptome. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit und die Ausprägung von Nebenwirkungen bei einem Lebendimpfstoff größer als bei einem Totimpfstoff, weshalb Totimpfstoffe meistens bevorzugt werden. Der Erreger im Lebendimpfstoff kommt einer natürlichen Infektion sehr nahe, weshalb die Immunantwort fast die gleiche ist. Der Vorteil des Lebendimpfstoffes ist der länger anhaltende Schutz.

Der richtige Zeitpunkt 

Ein Impfstoff für Hunde und Katzen wirkt nicht, so lange das Jungtier durch die Antikörper der Mutter geschützt ist. Trifft der Körper in dieser Phase auf einen Erreger, wird dieser von den Antikörpern der Mutter beseitigt. Das  Immunsystem des Jungtiers muss daher noch keine Antikörper selber produziert und wird deswegen noch nicht trainiert. Zu welchem Zeitpunkt der Schutz der Antikörper nachlässt, weiß man nicht, weshalb Jungtiere in den ersten Wochen mehrmals geimpft werden. In der Regel bekommt das entwurmte Jungtier seine erste Grundimpfung in der 8. bis 9. Lebenswoche, in den meisten Fällen veranlasst durch den Züchter. Beim ersten Mal impft der Tierarzt beim Welpen gegen die fünf häufigsten Infektionskrankheiten, die sogenannte "5-fach Impfung". Vier bis fünf Wochen später erfolgt eine weitere Impfung. Zusätzlich wird zu diesem Zeitpunkt gegen Tollwut geimpft, wenn Reisen über die deutschen Grenzen hinaus erwünscht sind. Danach gilt es, den Impfschutz in regelmäßigen Impfintervallen, zumeist jährlich, aufzufrischen. Für detailliertere Informationen lesen Sie gerne mehr in unserem Artikel über Hundeimpfungen und Katzenimpfungen.

Wussten Sie es schon? AGILA übernimmt im Rahmen des Vorsorgeschutzes beim Tierkrankenschutz die Kosten für regelmäßige Vorsorgemaßnahmen beim Tierarzt.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

 

Foto: © Fiedels/fotolia.com

(0)