Täglich nutzen wir Sprichwörter oder Redewendungen und merken es oft gar nicht. Die bildlichen Darstellungen erleichtern es uns, sich kurz und deutlich auszudrücken. Jeder weiß, was gemeint ist, wenn von einem Brett vor´m Kopf oder dem Holzweg die Rede ist. Auch Sprichwörter mit tierischen Protagonisten gibt es einige. Wenn es Hunde und Katzen regnet oder zwei wie Hund und Katz sind, ziehen wir uns lieber zurück. Aber tierische Sprichwörter haben noch viele weitere Bedeutungen! Wir gehen einer kleinen Auswahl von ihnen auf den Grund.

Inhaltsverzeichnis:

Da Sprichwörter oft über viele Jahre von Mund zu Mund getragen wurden, ist ihre Herkunft oft nicht eindeutig belegbar. Einige entstammen der Literatur, andere den Anekdoten anderer Zeiten. So grenzen diese Beschreibungen vermutlich mehr an Sagen als an Fakten. Dennoch reizen gerade fabelhafte, ungewisse Märchen und damit auch unserer Sprichwörter die Vorstellungskraft. Umso schöner, dass unsere beliebtesten Haustiere vielfach darin vorkommen.

Tierische Sprichwörter über Hunde

Für die Erklärung von tierischen Sprichwörtern mit Hunden ist es wichtig, die gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund zu kennen. Hunde waren nicht immer so beliebt und gehegt wie heute. Als Hoftiere oder Streuner waren sie ehemals ein Zeichen für ärmliche Verhältnisse. Gleichzeitig wird ihnen aber auch nachgesagt, ein Beschützer und Hüter zu sein. So hat der Hund in unseren Redewendungen viele verschiedene Rollen eingenommen. Hunde, die bellen, beißen nicht, das ist ja ein Hundewetter und der berühmte innere Schweinehund sind so geläufig, dass ihre Herkunft kaum nachzuvollziehen ist. Bei anderen hingegen stecken witzige bis tragische Geschichten dahinter:

Wer auf den Hund gekommen ist, hat sich heutzutage den langersehnten Wunsch erfüllt, einen Vierbeiner bei sich aufzunehmen. Das Sprichwort hat jedoch fast entgegengesetzte Wurzeln: Wer auf den Hund gekommen ist, galt früher als arm, beziehungsweise pleite. Begründet ist dies in dem Aberglaube, dass ein Hundesymbol am Boden der Geldtruhe das Hab und Gut beschützen würde. Wer also auf den Hund gekommen ist, hatte eine leere Kiste und konnte sich nichts mehr leisten.

Manche Menschen sind bekannt, wie ein bunter Hund. Sie werden also überall erkannt, was in diesem Sprichwort auf bestimmte Charaktereigenschaften von Mitmenschen zurückzuführen ist. Die Parallele ist schnell gezogen: Mehrfarbige, also bunte Hunde sind auffälliger als einfarbige und werden daher schneller wiedererkannt.

Auch der Ursprung vom Schießhund ist naheliegend. Dieser hatte als Begleiter von Jäger:innen den Ruf, ein besonders wachsamer und aufmerksamer Hund zu sein. Ein echtes Arbeitstier und treuer Helfer des Menschen also. Heute wird der Ausdruck des Schießhundes auf besonders scharfsinnige, aber vor allem auch aufmerksame Menschen bezogen.

In punkto Aufmerksamkeit macht man einem Hund nichts vor. Soll etwas unbemerkt bleiben, passt man daher am besten einen schlafenden Hund ab. Dies ergibt sich zumindest aus der Redewendung, man solle keine schlafenden Hunde wecken. Denn lenkt man die Aufmerksamkeit von Gesprächspartner:innen auf Themen, die eigentlich unbemerkt bleiben sollen, hat man schlafende Hunde geweckt. Eine unbemerkte Geschichte wurde also offenbart.

Tierische Sprichwörter über Katzen

Auch Katzen galten in unserer gemeinsamen Geschichte nicht immer als beliebt. Sie waren zwar schon immer Nützlinge, besonders wenn es um das Mäusefangen ging, jedoch wurden sie auch als hinterlistig oder wenig wert empfunden. Ihre bedachte, schleichende Art und das Jagen zu Nachtzeiten hat ihnen sicher zu Statistenrollen bei Hexen- und Teufelsgeschichten verholfen, dennoch genießen sie auch den Ruf, elegant und majestätisch zu sein. So sind auch ihre Auftritte in tierischen Sprichwörtern vielfältig.

Gerade hat man das Sofa abgesaugt, schon springt der Vierbeiner darauf und wälzt sich: „Alles für die Katz!“ Dabei ist es aber egal, ob Hund, Katze oder Mensch der oder die Übeltäter:in für das Chaos sind. Der Ausdruck hat nicht mit dem oder der Verursacher:in eines Missgeschicks zu tun und auch die Katze ist nicht der Grund für die Misere. Denn das Sprichwort geht auf ein Märchen über einen unbezahlten Schmied zurück, dessen Katze aufgrund des fehlenden Geldes verhungern musste. Somit symbolisiert die Katze hier die vergeblichen Bemühungen. Ein Aufwand war daher umsonst, wenn alles für die Katz ist.

Ein weiteres, sehr bildliches Beispiel eines Sprichwortes ist die Phrase Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Es beschreibt, dass der Einfluss einer mächtigen Person nicht mehr wirkt, sobald diese abwesend ist. Somit kommt ein laufendes System zum Stehen. Hier nimmt die Katze also eine erhabene Position ein.

Schaut man dem Gaul nicht ins Maul und lässt sich unvoreingenommen auf ein Geschäft ein, kann es sein, dass man die Katze im Sack kauft. Im Zweifel erhält man also nicht das, mit dem man gerechnet hat. Ähnlich wurzelt vermutlich das Sprichwort: Die Katze aus dem Sack lassen, welches das Lüften eines Geheimnisses verbildlicht. Denn in beiden tierischen Sprichwörtern steht die Katze für das Ungewisse oder Ungewollte. Hat man früher beispielsweise ein Huhn erstanden, konnte es passieren, dass einem anstelle dessen eine damals wertlose Katze untergeschmuggelt wurde. Demnach wurde man über das Ohr gehauen. Zuhause kam die Überraschung zum Vorschein, man ließ die Katze aus dem Sack. Eine andere Theorie beschreibt eine Geschichte, in der Seemänner mit einer Peitsche bestraft wurden, die umgangssprachlich Katze hieß. Das hat allerdings mit unserem liebsten Haustier nicht mehr viel zu tun.

Die Redewendung einen Kater haben, kommt aus der Symptomatik. Wer einen Katarrh hat, leidet nämlich unter entzündeten Atemwegen oder Schleimhäuten. Die ähnlichen und allseits bekannten Auswirkungen einer durchrauschten Nacht, führten daher zu der umgangssprachlichen Variante eines Katarrhs, dem Kater.

Andere Sitten, gleiche tierische Sprichwörter?

Auch in anderen Ländern und Sprachen gibt es tierische Sprichwörter. Wer zum Beispiel alljährlich zu Silvester „Dinner for one“ anguckt, kommt um den Satz des Buttlers: „I´ll kill that cat“, nicht herum. Weitere bekannte Beispiele, wie „Let the cat out of the bag“, sind mit einigen unserer tierischen Sprichwörter sogar identisch. So gibt es bei vielen Sprichwörtern in verschiedenen Sprachen gleiche Wurzeln – auch im tierischen Reich.

Foto: © WoGi / Adobe Stock

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